Vorwort/Einführung


Jeder, der schon etwas länger in der Wissenschaft tätig ist, wird sich irgendwann einmal darüber gewundert haben, wie sehr sich die wissenschaftliche Kommunikationspraxis in den letzten zwanzig Jahren gewandelt hat. Dies beginnt mit der Web-basierten Informationsrecherche, führt über die computerunterstützte Textproduktion und das elektronische Publizieren und geht bis zur Email-Korrespondenz, zur Selbstdarstellung von Wissenschaftlern im Web oder zur Kollaboration per Internet. Das vielleicht »sichtbarste« Phänomen dieses durch Digitalisierung und Vernetzung bewirkten Wandlungsprozesses stellt die wissenschaftliche Präsentation dar, dieses »vereinfachte Basisidiom globalisierter Wissensgesellschaften« (Knoblauch/Schnettler 2007, 279). Präsentationen kennzeichnen nicht nur eine neuartige Praxis des Vortragswesens, in ihnen laufen vielmehr verschiedene Entwicklungstendenzen zusammen, die sie aus unterschiedlichen Perspektiven als einen lohnenswerten Forschungsgegenstand prädestiniert erscheinen lassen.
Das vorliegende Buch ist der Versuch, das Phänomen »Präsentation«
aus einer linguistischen Perspektive zu betrachten. Aufgrund der Besonderheiten des Gegenstandes werden dabei auch rhetorische, grafisch-gestalterische und performativ-theaterwissenschaftliche Aspekte berücksichtigt.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Fragen der formalen Modellierung
und »Technisierung« von Präsentationen, die zu Überlegungen hinführen,
wie die Zukunft dieser Kommunikationsform aussehen mag. Die
linguistischen Überlegungen erfolgen mit dem Instrumentarium der Textlinguistik, zuweilen ergänzt um soziolinguistische Erwägungen. Insgesamt ergibt sich eine Abhandlung, die eher als ein ausgedehnter wissenschaftlicher Essay zu werten ist als eine Monografie im klassischen Sinne. Aufgrund der sehr lückenhaften Forschungslage werden manche Fragestellungen nur angerissen, andere zwar vertieft, aber keineswegs abschließend behandelt. Mein Ziel war es, das Forschungsspektrum zu Präsentationen aus linguistischer Sicht einmal komplett zu durchschreiten, um weitergehenden Forschungen die notwendige Orientierung zu verschaffen. Das Buch ergänzt damit bereits vorliegende Untersuchungen wie die von Peters (2007; 2008), Schnettler/Knoblauch (2007) oder Rendle-Short (2006) mit theaterwissenschaftlichem, sozialwissenschaftlichem beziehungsweise konversationsanalytischem Anspruch. Wie schon diese Arbeiten will es auch
zur Versachlichung der seit geraumer Zeit immer wieder in den Feuilletons
großer Tages- und Wochenzeitungen aufflammenden kulturkritischen Debatte
beitragen, die mit dem Schlagwort »Powerpoint ist böse« gekennzeichnet
worden ist.
Das Buch wendet sich somit an alle, die an Präsentationen, insbesondere
wissenschaftlichen Präsentationen interessiert sind, sei es aus einer
wissenschaftlichen Perspektive, sei es mit einem praktischen Anliegen. Die
spezifisch linguistischen Darlegungen wenden sich nicht nur an Fachwissenschaftler, sondern legen die Basis für die übergreifende Bewertung und Einordnung dieser Kommunikationsform in den hinteren Teilen des Buches.
Auf keinen Fall kann es jedoch als ein weiteres Produkt der Ratgeber-
Literatur verstanden werden, denn Hinweise zur wirkungsvollen rhetorischen
Gestaltung von Präsentationen lassen sich allenfalls indirekt aus
manchen Erörterungen ableiten. Gleichwohl wird in diesem Buch auch ein
Rahmen skizziert, in dem die praktische Vermittlung von Präsentationskompetenz in einer ihren kommunikativen Besonderheiten angemessenen Form geschehen kann.
Die Arbeit an diesem Buch ist in den letzten zwei Jahren parallel zu
Forschungsaktivitäten am Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI)
der Justus-Liebig-Universität Gießen erfolgt, die im Jahr 2008 schließlich in
die von der Volkswagen-Stiftung geförderte Forschungsgruppe »Interactive
Science – Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien« gemündet sind.
Von den Diskussionen mit den Antragstellern dieser Forschungsgruppe,
vor allem mit Christoph Bieber, Gerd Fritz, Thomas Gloning,
Claus Leggewie, Michael Nentwich und Sibylle Peters, habe ich sehr
profitiert. Besonders intensive Impulse habe ich von Hans-Jürgen Bucher
als dem Ko-Antragsteller unseres gemeinsamen Projekts »Wissenschaftliche
Präsentationen – Textualität, Struktur und Rezeption« erhalten. Für
sehr intensive Diskussionen zu einzelnen Aspekten von Präsentationen bin
ich auch den MitarbeiterInnen Malgorzata Dynkowska, Betül Özsarigöl
sowie Philipp Niemann zu großem Dank verpflichtet. Einen besonderen
Beitrag zur Fertigstellung dieses Buches hat Sabine Heymann geleistet.
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